Five Easy Pieces

CAMPO, IIPM / Milo Rau

© Phile Deprez

  • 20:00 Uhr
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Sieben Kinder sitzen über den Raum verteilt. Sie sind zwischen 8 und 13 Jahre alt und dürfen sich ihre Rollen aussuchen, was sie gerne wären in dem Stück. „Theater ist, so zu tun, als ob man alt wäre, obwohl man jung ist“, sagt das eine Kind, „Theater ist wie Marionettentheater, aber mit Menschen“. Ein Theaterstück wird geprobt, in dem das Leben des belgischen Kindermörders Marc Dutroux nachgestellt wird. Wie viele Mädchen er getötet hat, ist bis heute nicht ganz klar. 2004 wurde er zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

Das Stück Five Easy Pieces („Fünf einfachen Übungen“) beleuchtet Verbrechen, die zwar grauenvoll, aber durch die Ästhetik des Dokumentartheaters abstrahiert werden. Der stärkste und geradezu gespenstische Verfremdungseffekt besteht darin, dass Kinder Erwachsene spielen und zwischen Probensituationen und Rollenfiguren wechseln. Fragen behandeln darüber hinaus auch Ängste, Hoffnungen und Tabus allgemein. Die Nüchternheit, die Brechungen und das Spiel der Kinder sind atemberaubend.

Der Stücktitel bezieht sich auf die gleichnamigen Klavierstücke „Cinq pièces faciles“ von Igor Strawinsky, die er für seine Kinder schrieb. Die 2016 beim Kunstenfestivaldesarts Brüssel uraufgeführte Vorstellung des Genter Produktionshauses CAMPO wurde in Deutschland von den Sophiensaelen und den Münchner Kammerspielen koproduziert. Sie gehört zu den ungewöhnlichsten und meist eingeladenen Produktionen der letzten Zeit und wird in den nächsten zwei Jahren in 30 Ländern zu sehen sein.

Milo Rau, geboren 1977 in Bern, ist Regisseur, Theaterautor, Essayist und Wissenschaftler. Er veröffentlichte über 50 Stücke, Filme und Bücher und zählt zu den wichtigsten Regisseuren im europäischen Theaterbetrieb. Politische Themenstellungen und dokumentarische Aufarbeitungen sind sein Markenzeichen. 2007 gründete er sein Produktionsbüro IIPM (International Institute of Political Murder) in Köln und Zürich. Rau wurde vor kurzem als Nachfolger von Johan Simons zum künstlerischen Leiter des NtGent berufen und fängt dort im Frühling 2018 mit seinem Programm an.

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