Grenzgänge "Philippe De Monte"

graindelavoix / Björn Schmelzer

©Koen Broos

  • 21:30 Uhr

Kann man einen Komponisten ins Gedächtnis rufen, der schlicht vergessen wurde? Oder ist das komplette Vergessen die Grundlage für wahres Erinnern und Gedenken? Philipp De Monte (1521 – 1603) wirft diese Fragen auf. Sein riesiges Oeuvre wird so gut wie nie aufgeführt, und nur weniges existiert in einer modernen Ausgabe. Doch er war einer der fruchtbarsten Komponisten der Renaissance, Kapellmeister am Prager Hof Maximilians II. und Rudolfs II. "Wir wollen mit unserem Programm ein Gedächtnistheater für De Monte schaffen, dabei einer Praxis entsprechen, die am Prager Hof Rudolfs II. sehr beliebt war und Denkmodelle der Alchimie, der Gedächtnishilfen, der Philosophie und der Wissenschaft heranzog. Eine geringe Auswahl aus De Montes Oeuvre wird darin vorgestellt, Stücke, die nie gehört und aufgeführt wurden. Aus ihnen entstehen Bedeutungsketten von Bildern wie in Rudolfs Kunstkammer, die nach den Gedächtnistheorien von Giulio Camillo und Giordano Bruno geordnet war, jenes imaginären Amphitheaters, von dessen Bühne aus man auf das gesamte Weltwissen blickt, das in Bildern gespeichert ist" (Graindelaviox). Die Vergangenheit ist für Graindelavoix keine abgeschlossene Realität, von der wir ausgeschlossen bleiben, sondern ein Geflecht von Strömungen und Gegenströmungen, die in uns weiterleben.

Französische Chansons, geistliche und weltliche italienische Madrigale sowie geistliche Werke von Philippe De Monte 1521 – 1603.

Graindelavoix ist ein in Antwerpen beheimatetes Ensemble, das von der Stimme, der Geschichte der vokalen Musikrepertoires und ihren psychischen Wirkungen auf die Menschen einst und jetzt fasziniert ist. Das Ensemble wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch den Anthropologen und Musikethnologen Björn Schmelzer gegründet und trat bereits nach kurzer Zeit öffentlich auf.

Die Ensemblemitglieder entstammen verschiedener Musiktraditionen, aus denen sie einen breiten künstlerischen Hintergrund und spezielle Erfahrungen mitbringen. Während der Aufführungen wird die heterogene Zusammensetzung auch nicht verwischt, sondern eher betont. Graindelavoix ist momentan „Ensemble in Residence“ der französischen Fondation Royaumont und wird durch die Flämische Gemeinschaft gefördert.

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