Piet de Moors „Gunzenhausen“

Piet de Moor

Bild: J.D. Salinger

In seinem Roman gibt Piet de Moor dem zurückgezogen lebenden J.D. Salinger eine eigene Stimme und lässt ihn sein Leben erzählen, an der schmalen Grenze zwischen Erinnerung und Erfindung. Salingers Kriegserfahrungen bilden dabei den dunklen Hintergrund: die Landung in der Normandie, der Vormarsch durch ein zerstörtes Europa, schließlich seine Zeit als Geheimdienstoffizier im fränkischen Gunzenhausen. Dort, in einer Stadt im Übergang zwischen Zusammenbruch und Neubeginn, denkt er über seine Beziehungen und sein Schreiben nach, beobachtet die deutsche Gesellschaft in der „Stunde Null“ und begegnet Menschen wie Klemperer, Kästner oder Hemingway, die ihm neue Perspektiven eröffnen. Währenddessen trägt er das Manuskript bei sich, das später The Catcher in the Rye werden soll, ein Text, an dem er festhält wie an einem Rettungsseil.

Am 9. Juli 2026 steht de Moors Roman Gunzenhausen im Mittelpunkt eines besonderen Literaturabends. Wolfgang Eckerlein und Manuel Grosser beleuchten das Werk aus unterschiedlichen Perspektiven – von Fragen nach Fakt und Fiktion bis hin zu einer Einordnung als Kriegstraumaliteratur. Ergänzt werden die Analysen durch Lesungen ausgewählter Textpassagen von Holger Johannes Pütz-von Fabeck. Eine stimmungsvolle Lichtinstallation rundet den Abend ab und eröffnet neue Zugänge zu diesem bewegenden Roman. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Piet de Moor (*1950) ist Autor und Journalist. In den 1970er‑Jahren lebte er zwei Jahre in Westberlin und bereiste Russland, Mitteleuropa und den Balkan. Zu seinen bekanntesten Sachbüchern zählen „Berlin. Leben in einer gespaltenen Stadt“ (2016) und der Essay „Mit Kafka in Berlin“ (2024). Seit 2010 lebt er wieder in Berlin.

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