Piet de Moors „Gunzenhausen“
- 19:30 Uhr Gunzenhausen, Kanzlei Meyerhuber
In seinem Roman gibt Piet de Moor dem zurückgezogen lebenden J.D. Salinger eine eigene Stimme und lässt ihn sein Leben erzählen, an der schmalen Grenze zwischen Erinnerung und Erfindung. Salingers Kriegserfahrungen bilden dabei den dunklen Hintergrund: die Landung in der Normandie, der Vormarsch durch ein zerstörtes Europa, schließlich seine Zeit als Geheimdienstoffizier im fränkischen Gunzenhausen. Dort, in einer Stadt im Übergang zwischen Zusammenbruch und Neubeginn, denkt er über seine Beziehungen und sein Schreiben nach, beobachtet die deutsche Gesellschaft in der „Stunde Null“ und begegnet Menschen wie Klemperer, Kästner oder Hemingway, die ihm neue Perspektiven eröffnen. Währenddessen trägt er das Manuskript bei sich, das später The Catcher in the Rye werden soll, ein Text, an dem er festhält wie an einem Rettungsseil.
Im Rahmen der Veranstaltung wird Piet de Moor nicht nur Passagen aus dem Roman lesen, sondern auch eine literarische Analyse anbieten und zentrale biografische Elemente einem Faktencheck unterziehen. So entsteht ein spannender Abend zwischen Erzählkunst, historischem Kontext und kritischer Reflexion. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Reservierung ist jedoch erforderlich.
Piet de Moor (*1950) ist Autor und Journalist. In den 1970er‑Jahren lebte er zwei Jahre in Westberlin und bereiste Russland, Mitteleuropa und den Balkan. Zu seinen bekanntesten Sachbüchern zählen „Berlin. Leben in einer gespaltenen Stadt“ (2016) und der Essay „Mit Kafka in Berlin“ (2024). Seit 2010 lebt er wieder in Berlin.