Alles ist interessant. Lecture Performance Marathon

u.a. Jozefien Beckers, Lucas Blondeel, Kris Van Alphen, Ada Van Hoorebeke, Toon Leën, Hanne Vogelaers, Frans Willems

Frontispiz aus William Beckford, "Biographical Memoirs of Extraordinary Painters" (1780)

  • 18:00 Uhr
  • 17:00 Uhr

Seitdem KünstlerInnen damit angefangen haben, ihre künstlerische Arbeit als eine Form von Wissensproduktion zu präsentieren, hat sich die relativ neue Gattung der Lecture Performance mehr und mehr zu einem geliebten Format für die Vermittlung ihrer Forschungsergebnisse entwickelt. Die Lecture Performance ist eine Mischform zwischen akademischem Vortrag und inszenierter (Selbst-)Darstellung. Sie lässt spielerische Ansätze zu, ohne dadurch an Ernst zu verlieren. Mitunter bewegt sich die Lecture Performance unbekümmert zwischen Realität und Fiktion, zwischen trügerischer Inszenierung und wahrhaftigen Einsichten, und sucht dennoch stets den Dialog mit den Wissenschaften.

Während des Festivals 48 Stunden Neukölln, am Samstag 23. Juni 2018 18:00 Uhr, wird im Kunstraum Ossastraße dieses merkwürdige Format in einem 5-stündigen Marathon erkundet. Eine Reihe von KünstlerInnen und AkademikerInnen wurde gefragt, eine Lecture Performance über ein Thema ihrer Wahl vorzubereiten. Lesungen, die länger als zehn Minuten dauern, werden in verschiedene Kapitel unterteilt, die dann über den Abend verteilt präsentiert werden. So entsteht ein Patchwork von Positionen, Bildern und Geschichten, das unvermutete inhaltliche Verbindungen zum Vorschein bringen kann. Die Aufmerksamkeit wird aber gleichermaßen auf die Form der Präsentationen gelenkt: Wie inszenieren die Redner sich, wie authentisch versuchen sie zu wirken? Wie nah bleibt man an der Wahrheit, wie viel Einbildung lässt man zu? "Alles ist Interessant" sollte nicht nur als Versprechen, sondern auch als Statement betrachtet werden; nicht nur was jemand erzählt, sondern auch wie er oder sie es erzählt, wird Gegenstand der prüfenden Blicke der Zuschauer sein.

Es sprechen Jozefien Beckers, Lucas Blondeel, Raimund Krumme, Ellen Lapper, Toon Leën, Ying Sze Pek, Erik Porath, Jens Presser, Stefan Römer, Max Sudhues, titre provisoire, Kris Van Alphen, Ada Van Hoorebeke, Hanne Vogelaers, Nathaniel Whitfield und Frans Willems. Das ganze Programm wird im Juni auf www.ossastrasse38.blogspot.com bekanntgegeben.

Sprache: abwechselnd Deutsch und Englisch (genaue Angaben finden Sie ab Juni im Programm)

Am Tag danach, am Sonntag den 24. Juni um 17:00 Uhr, zeigt der bildende Künstler Toon Leën seine Lecture Performance "The Case of the Ridiculous Curator" über Kurator Ludovik Vermeersch und dessen Methode der transfigurativen Rekontextualisierung. 2015 veröffentlichte Vermeersch das Buch "Personally, I'm Most Interested in the Shapes and Colours" und kreierte dazu eine gleichnamige Lecture Performance. Darin verflocht Vermeersch eine theoretische Reflexion über abstrakte Kunst mit einer Darstellung seiner Zusammenarbeit mit sechs jungen KünstlerInnen in Berlin. Das Projekt, in dem Vermeersch als überdurchschnittlich manipulativ erschien, rief interessante Fragen zum Stellenwert von Begriffen wie Authentizität und Autorschaft für das Kunstverständnis der Zuschauer hervor. In einer Lecture Performance über Vermeersch' Lecture Performance setzt sich Toon Leën mit diesen Themen und nicht zuletzt mit den Reaktionen auf Vermeersch' fragwürdige Vorgehensweise, auseinander.

Sprache: Englisch
Dauer: ca. 90 Minuten

Mehr Informationen

  • Narziss betrachtet sein Spiegelbild, unbekannter Künstler, um 1405, aus einem Manuscript der "Roman de la Rose", Ms. Ludwig XV 7, fol. 11, The J. Paul Getty Museum, Los Angeles

  • Ludovik Vermeersch in "The Case of the Ridiculous Curator" © Anna Ernst

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