Jef Geys. Kempens Informatieblad

Ausstellungsansicht "Jef Geys – Kempens Informatieblad 1971-2017", Linden, Düsseldorf in 2017

Am 12. Februar 2018 starb Jef Geys. Er war einer von Flanderns einflussreichsten Konzeptkünstlern. Das Künstlerhaus Bremen wirft nun einen retrospektiven Blick auf seine Arbeit, und damit auf eine der angesehensten, jedoch unterrepräsentierten künstlerischen Positionen im Flandern der Nachkriegsgeschichte. Die Schau zeigt erstmalig die gesamten Ausgaben von Geys’ „Kempens Informatieblad“, eine von ihm über beinahe ein halbes Jahrhundert lang herausgegebene Zeitung, die eine Schlüsselfunktion in seinem umfassenden Oeuvre einnimmt.

Jef Geys (1934-2018) hat über sechs Jahrzehnte hinweg eine facettenreiche und wegweisende künstlerische Praxis entwickelt, die von gesellschaftspolitischen Motiven geprägt und dabei eng mit dem lokalen Kontext seiner flämischen Heimatstadt Balen, wo er bis zuletzt lebte, verbunden ist. Dieser selbst gewählten (geografischen) Marginalisierung und seiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber der Kunstwelt und ihren Institutionen ist es geschuldet, dass Geys trotz seines großen Einflusses und der Teilnahme an bedeutenden internationalen Ausstellungen, wie den Skulptur Projekten in Münster (1997), der documenta 11 in Kassel (2002) oder der Biennale in Venedig (2009) – zeit seines Lebens verhältnismäßig wenig beachtet blieb.

Seit 1958 hat Geys Spuren seines persönlichen Lebens und dem, was in seiner unmittelbaren Umgebung passierte, gesammelt. Dieses Archiv war Geys' primäres Medium. Anfang der 1970er-Jahre übernahm Geys das vormalige regionale Anzeigenblatt „Kempens Informatieblad“, nachdem es pleitegegangen war, und führte es auf idiosynkratische Art und Weise weiter. Namen und Layout beibehaltend, enthob er es sukzessive seinem ursprünglichen Funktionszusammenhang und widmete es um zu einem künstlerischen Medium. Zwischen 1971 und 2018 veröffentlichte er um die 60 Ausgaben, die einen roten Faden durch sein Werk ziehen und heute die primäre Informationsquelle dazu darstellen. Den Anlass zur Publikation gaben meist die Ausstellungen von Geys, die er durch die Zeitung kommentierte, kontextualisierte, erweiterte und dokumentierte. Damit bildet das „Kempens Informatieblad“ den publizistischen Output seiner archivalischen Praxis.

Die Präsentation im Künstlerhaus Bremen gewährt einen umfassenden Einblick in das künstlerische Schaffen von Jef Geys durch die Linse seiner Publikationspraxis. Das speziell für die Ausstellung konzipierte Display wird den BesucherInnen die Möglichkeit bieten, tief in die Welt des Künstlers einzutauchen und sein Werk auf eine noch nie da gewesene, ganzheitliche Weise zu erforschen.

Die Ausstellung entsteht als Weiterentwicklung einer 2017 von Gloria Hasnay und Moritz Nebenführ im Dialog mit dem Künstler entwickelten Schau im Düsseldorfer Projektraum Linden, die sich einer kleineren Auswahl von Ausgaben des „Kempens Informatieblad“ widmete. Die Ausstellung wird von Gloria Hasnay und Moritz Nebenführ in enger Zusammenarbeit mit Nadja Quante/Künstlerhaus Bremen kuratiert.

Eröffnung am Freitag, 25. Januar 2019, 19 Uhr

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