Lucas Blondeel & ensemble1800berlin

Schattenrisse. Werke von Mozart und Beethoven

Lucas Blondeel

In seinem neuen Programm "Schattenrisse" stellt das ensemble1800berlin drei Werke vor, die das akustische Zeugnis eines Phänomens sind, das in der zeitgenössischen Beurteilung häufig mit dem der bildenden Kunst entlehnten Begriff des „Schattenrisses“ beschrieben wurde. Die speziellen Eigenschaften der Kammermusikbearbeitungen der Sinfonie KV 504 von Wolfgang Amadeus Mozart und der Sinfonie op. 36 Nr. 2 in D-Dur von Ludwig van Beethoven werden durch das Symbol des „Schattenrisses“ präzise charakterisiert. Es impliziert die Vereinfachung und Komprimierung ebenso, wie die Möglichkeit seiner Aneignung durch breite Bevölkerungsschichten.

E.T.A. Hoffmann nimmt das Bild des Schattenrisses als Metapher für Kammermusikbearbeitungen auf. Er schreibt 1810: "Das Pianoforte giebt das große Werk, wie ein Umriss das große Gemählde, den die Phantasie mit den Farben des Originals belebt." Hier zeigt sich ein neues Verständnis: Erst die Phantasie des Interpreten und Hörers schafft das vollständige Werk. Hoffmann eröffnet mit seinem eigenen Blick die Möglichkeit zu Verinnerlichung und individueller Aneignung der Werke Mozarts und Beethovens in Form von Kammermusik-Transkriptionen.

Andrea Klitzing (klassische Flöte und Konzeption), Thomas Kretschmer (Violine), Patrick Sepec (Violoncello) vom ensemble1800berlin haben für dieses Programm den flämischen Pianisten Lucas Blondeel (Hammerflügel) als Gast engagiert.

Lucas Blondeel, 1981 in Brüssel geboren, begann mit vier Jahren auf einem Hammerflügel des frühen 19. Jahrhunderts zu spielen, der im Antiquitätengeschäft seiner Eltern zum Verkauf aufgestellt war. Der Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben und der Studienstiftung des Deutschen Volkes studierte u.a. bei Professor Klaus Hellwig an der Universität der Künste Berlin. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe in Antwerpen, Genf, Zürich, Berlin und Cincinatti und konzertiert auf verschiedenen Bühnen in ganz Europa, den Vereinigten Staaten, China, Singapur und Japan. Er hat Rundfunkaufnahmen bei zahlreichen deutschen und ausländischen Rundfunk- und Fernsehstationen eingespielt.

Seine Leidenschaft zum Deutschen Lied brachte ihm einen Sonderpreis als bester Klavierpartner beim Liedwettbewerb des Bayerischen Rundfunks ein. Dabei waren ihm Anregungen von Helmut Deutsch, Wolfram Rieger, Brigitte Fassbaender, Thomas Hampson und Irwin Gage sehr wichtig. Zur Verbesserung seiner Interpretation von klassischen Komponisten studierte er jahrelang intensiv Hammerflügel bei Spezialisten, wie Jos Van Immerseel, Bart Van Oort und Malcolm Bilson. Für Lucas Blondeel verdient die historische Aufführungspraxis einen Platz im modernen Klavierspiel und strebt er an, diese zwei Welten zusammenzubringen. Er gibt regelmäßig Meisterkurse in Deutschland, Belgien, Ungarn und China. Vom 2012 bis 2019 leitete er eine Hauptfachklasse Klavier an der Akademie für Tonkunst Darmstadt. Im April 2018 folgte er dem Ruf als Professor für Klavier an die Universität der Künste Berlin.

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