Zwischen Atelier und Labor

u.a. Koen Vanmechelen

Koen Vanmechelen, Ausstellungsansicht © Museum Villa Rot

Kunst wird heute nicht mehr nur in Ateliers hergestellt. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen suchen Künstlerinnen und Künstler vermehrt den Dialog mit anderen Disziplinen und nutzen deren Methoden und Produktionsmittel. In diesem Zusammenhang haben sich vor allem die Naturwissenschaften zu wichtigen Impulsgeberinnen für die künstlerische Praxis entwickelt. Eine besondere Faszination übt insbesondere das Labor aus. Als Schauplatz innovativer Entwicklungen und mitunter utopischer Visionen ist es Sinnbild menschlichen Fortschrittwillens.

Die Ausstellung in der Villa Rot vereint Werke von 16 Künstlerinnen und Künstlern, die an der Schnittstelle zwischen Atelier und Labor arbeiten. Einige von ihnen zeugen von der Faszination für die Ästhetik von Forschungseinrichtungen mit ihren besonderen Materialien und Werkzeugen: Insektensammlungen, Molekülstrukturen, Petrischalen und Reagenzgläser dienen ihnen als Inspiration für Installationen, Skulpturen und Fotoserien.

Ihnen gegenüber stehen Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die den abgeschiedenen Raum ihrer Ateliers verlassen, um selbst forschend tätig zu werden. In interdisziplinären Projekten, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder durch eigene naturwissenschaftliche Experimente produzieren sie neuartige Werke. Grundlage kann etwa das Wachstum von Schleimpilzen, Bakterien oder gekreuzten Hühnerrassen sein. Die Ergebnisse sind nicht nur faszinierend anzuschauen, sondern geben auch Impulse für die naturwissenschaftliche Forschung.

Doch nicht immer führt das menschliche Fortschrittsstreben zu positiven Ergebnissen. Einige der ausgestellten Werke kommentieren auch die Schattenseiten und potenziellen Gefahren, die vom Labor ausgehen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Genforschung und Klondebatten wird deutlich, wie schwierig die moralische und ethische Bewertung biowissenschaftlicher Ziele ist.

Darf der Mensch Gott spielen? Darf er die DNA von Lebewesen ändern oder muss es Grenzen geben?

Koen Vanmechelen (* 1965 in Sint-Truiden, Belgien) studierte Hotelmanagement in Antwerpen und fand als Autodidakt zur Kunst. In Langzeitprojekten demonstriert er eindrucksvoll die Relation zwischen Mensch und Tier und stellt dabei auch den Hoheitsanspruch des Menschen in Frage. Hierfür entwickelte er sein Living Studio (lebendiges Atelier), in dem zahlreiche unterschiedliche Tiere leben und welche die Basis für sein künstlerisches Schaffen bilden. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Cosmopolitan Chicken Project (etwa: Welthuhnprojekt). Der Flame arbeitet seit 25 Jahren an diesem Kunstwerk, bei dem er unterschiedliche Hühner aus der ganzen Welt miteinander kreuzt, um so ein neues, robustes Welthuhn zu züchten.

Mehr Informationen

  • Prix Ars Electronical 2013 - Koen Vanmechelen (The Cosmopolitan Chicken Project)

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